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Freitag, 26. Juni 2015

#8 happy - happier - me

 Hier spricht bzw. hier schreibt eine sehr glückliche junge Frau (ääääh jaa... das klingt, als wäre ich 25 haha - aber ich weiss nicht, was ich sonst schreiben soll...), die gestern ihren Fachmittelschulausweis gekriegt hat!

Ich war ja länger skeptisch, was die Abschlussfeier betraf, aber das war völlig umsonst, denn es war ein total schöner Abend. Ich kenne zum Glück endlich den Grund für meine anfängliche Skepsis und habe gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht so viel mit der gestrigen Abschlussfeier zu tun hatte. Am Donnerstagmorgen hab ich dann doch noch angefangen, mich irgendwie zu freuen und als ich vor der Kirche, wo die Feier stattfand, dann meine Freunde und meine (jetzt ehemaligen) Mitschüler getroffen habe, ging es mir noch besser. Die Feier dauerte zwar eineinhalb Stunden (was ja nicht gerade kurz ist), aber es kam allen gar nicht lang vor.
Ach, es war einfach total toll! Alle waren nett und fröhlich und ich war total happy - ich bin es immer noch! Es ist für alle - auch für mich- total ungewohnt, dass ich mit diesem Smiley-Face herumlaufe, denn ansonsten habe ich ein Chronic Bitch Face (Zitat: meine Freunde) oder ich mache ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter (Zitat: meine Mutter). Und jetzt grinse ich alles und jeden an und kann einfach nicht  glauben, dass alles so toll lief und ich meinem grossen Ziel immer näher komme.
Am ersten Schultag denkt man nicht an die Abschlussfeier und wenn doch, dann kommt einem alles so weit weg vor - unvorstellbar weit weg. Und - zack - drei Jahre sind rum und alles hat sich verändert. Auch ich habe mich total verändert, es ist so viel passiert; auch Dinge, die ich mir nie hätte vorstellen können.
Es ist komisch, die Leute aus meiner Klasse nicht mehr zu sehen, meine Lehrer nicht mehr zu sehen, nicht mehr Tag für Tag ins Schulgebäude zu gehen und dort herumzusitzen... Es war schön gestern, ich war/bin mit allem zufrieden; und man soll ja bekanntlich gehen, wenns am Schönsten ist, oder? Natürlich ist es schade, gewisse Leute nicht mehr so oft zu sehen, aber ich weiss, dass ich die wichtigen (und die richtigen) nicht aus den Augen verlieren werde.

Sonntag, 21. Juni 2015

#6 I'm not good at saying goodbye

Nur noch wenige Minuten. Ich schaue auf die Uhr. Es ist unmöglich, jetzt noch pünktlich zu kommen. Eine Viertelstunde zu spät kommen, naja, das wäre schon irgendwie noch erlaubt, aber so wie es aussieht, werde ich alles verpassen! Was jetzt? Warum hilft mir niemand? Warum musste das so kommen? Warum ist das kein Traum, warum passiert das ausgerechnet mir? Ich laufe los, immer schneller, ich renne, meine viel zu engen Schuhe reissen die Blasen an meinen Füssen auf. Ich ignoriere die Schmerzen und renne weiter, aber es kommt mir so vor, als würde ich kaum vom Fleck kommen; als wäre das Ende der Strasse noch so weit entfernt. Bei jedem Schritt fühlt es sich an, als ob ich eine Tonne mitschleppen würde; mein Kleid und meine Tasche scheinen bleischwer zu sein. Ich kriege kaum noch Luft, trotzdem höre ich nicht auf zu rennen. Ich darf nicht zu spät kommen, nein, nicht heute, ich kann doch meine eigene Abschlussfeier nicht verpassen?!

yellow15

Augen auf, Traum weg. Ich schnappe nach Luft und fühle mich, als wäre ich tatsächlich gerannt. Meine Beine fühlen sich schwer an und ich habe stechende Kopfschmerzen. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es erst 07:15 ist. Ich schliesse die Augen und schlafe kurz darauf erneut ein, träume allerdings noch grösseren Blödsinn (= das Haus meiner Nachbarn brennt ab, ein seltsamer Mann raucht in unserem Garten eine Zigarette und ich beobachte ihn vom Fenster aus, ein schwarzer Hund jagt mich durch die Gegend). Warum träume ich von meiner Abschlussfeier und warum war der Traum so unangenehm? Als ich noch Unterricht hatte, habe ich regelmässig von der Schule, von Lehrern und von Mitschülern geträumt. Die Träume waren nicht immer schlecht/komisch, aber vor Prüfungen/Vorträgen/vor der Notenabgabe war halt schon mal ein schlimmer Traum dabei... Meistens konnte ich damit was anfangen und irgendwie nachvollziehen, warum ich diesen Stuss geträumt hatte, aber jetzt...? Nun, wahrscheinlich liegt es daran, dass die Abschlussfeier schon in wenigen Tagen ist. Hilfe!

Mittags vibriert mein Handy. Im Gruppenchat unserer Klasse wird gefragt, ob wir alle kommen werden. "Ich hab ja eigentlich keine Lust, fühle mich aber irgendwie verpflichtet", schreibt jemand. Und so fühle ich mich auch. Natürlich werde ich hingehen, aber ich weiss jetzt schon, dass ich das mit gemischten Gefühlen tun werde. Die meisten Abschlussfeiern finde ich ein bisschen fake. Alle sind nett, alle werden dich vermissen und alle wünschen dir nur das Beste für deine Zukunft. Alle sind so übertrieben nett, aber die letzten drei Jahre lang hab ich nicht viel davon gemerkt. Natürlich war meine Klasse alles andere als einfach, aber wenn uns Leute viel Glück und nur das Beste und was-weiss-ich wünschen werden, nachdem wir als Nichtsnutze, Verkäufer/innen, Schüler, die zu schlecht fürs Gymnasium waren, und Steuergeldverschwendung bezeichnet wurden, finde ich das schon fake.
Wir kriegen ein wichtiges Stück Papier mit wichtigen Zahlen drauf. Der Gedanke an diese Zahlen hat uns manchmal verzweifeln lassen und uns den Schlaf geraubt. Schlussendlich sind die Zahlen dann aber nicht mal mehr wichtig für meine weitere Zukunft; wichtig ist, dass ich überhaupt ein solches Stück Papier habe. Was darauf steht, ist plötzlich Nebensache. So viel Drama für ein Stück Papier...

Stop.Pessimismus-Modus abschalten. Ich werde über das, was ich gerade geschrieben habe, sowieso hinwegsehen. So schlimm ist das gar nicht, so schlimm war das gar nicht, so schlimm wird das gar nicht werden. Ich hatte ja auch viele tolle Erlebnisse während meiner Schulzeit, auch wenn ich das - je nach Tagesform - gerne mal vergesse.
Was ich wirklich am schlimmsten finde, ist der Abschied. Ich nehme nicht gerne Abschied, es macht mich immer so traurig und ich bin nicht gut darin, Tschüss zu sagen. Man geht und lässt so vieles zurück. Der Gedanke an einen Neuanfang ist unbequem, man hat sich schliesslich an so vieles gewöhnt : Wo welches Zimmer ist, wie die Lehrer heissen, was man in der Mensa essen sollte und was nicht, bei welcher Toilette man am wenigsten lang anstehen muss, bei welchem Lehrer man zu spät kommen kann, ohne dass man eine Standpauke über sich ergehen lassen muss, wann die Freunde aus anderen Klassen Unterrichtsschluss haben, sodass man mit ihnen an den Bahnhof laufen kann... Das alles ist weg und man fängt an einem anderen Ort wieder von vorne an. Dabei besteht das Leben aus so vielen Neuanfängen... Ich frage mich, ob es einen Zeitpunkt gibt, an dem diese gemischten, seltsamen Gefühle gegenüber Neuanfängen aufhören und man ihnen ganz anders gegenübersteht.

Es ist nicht so, dass ich noch länger zur Schule gehen möchte. Ich bin ganz froh, dass ich einige Fächer für immer los bin. Trotzdem ist es komisch, wenn sich nach 13 Jahren alles so ändert. Ich weiss, dass tolle Dinge auf mich warten: Nizza, die Fachhochschule, irgendwann dann hoffentlich eine Stelle bei einer Zeitung... Und dennoch macht mich der Gedanke an die Abschlussfeier und den damit verbundenen Abschied von der Schule traurig und ich erwische mich dabei, wie ich mir einrede, dass die Sachen, die mich damals aufgeregt hatten, doch gar nicht so schlimm waren...

Ich wünschte, ich könnte mein Gedankenchaos abschalten. Es wird schon alles gut werden, ich hab ja mein Tattoo, das mich genau daran erinnert. Tout ira bien.


Donnerstag, 18. Juni 2015

#4 please don't call me

Wir warten doch alle oft auf Anrufe, E-Mails oder SMS, nicht wahr?! Wie oft denken wir: "XY hat noch immer nicht angerufen, was soll das?!" oder "Wann beantwortet XY endlich meine Mail? Ich warte schon stundenlang auf eine Antwort!" oder "Immer muss ich XY zuerst schreiben, warum schreibt er/sie mir nicht mal von sich aus?"
Gestern habe ich ausnahmsweise darauf gewartet, dass man mich nicht anruft bzw. mir keine Mail schreibt. Anrufe von der Schule bedeuten ja meistens nichts Gutes, gestern hätte ein Anruf von meinem Lehrer aber den schulischen Super-GAU bedeutet. Nach der Konferenz am Mittwoch galt: Wer angerufen wird, hat nicht bestanden. Meine Klasse hat erst am Donnerstag mit Anrufen gerechnet und ich war ziemlich erstaunt, als mir eine Freundin aus der Parallelklasse schrieb und fragte, ob ich auch bestanden hätte. Ich wurde ganz nervös und wollte es auch wissen, rechnete aber nicht mit einer Antwort vor Donnerstagabend. Bis dann in unserem Whatsapp-Gruppenchat die ersten schrieben, dass sie nicht durchgekommen sind. Da wusste ich, dass ich es geschafft habe! Ich habe schon damit gerechnet, dass ich es schaffe, weil ich einigermassen gute Vorschlagsnoten hatte und die Abschlussprüfungen diese nicht komplett zerstören konnten. Aber trotzdem... Nach meinem Schul-Fail von vor vier Jahren war ich sowieso ständig angespannt, was das Bestehen und Nicht-Bestehen von allen möglichen Dingen anging. Aber ich habe es geschafft, und ich bin so glücklich und erleichtert!
Später bekam ich dann doch noch eine Mail von meinem Lehrer à la "Herzlichen Glückwunsch, wenn Sie diese Mail erhalten, dann haben Sie bestanden". Ich kanns noch gar nicht wirklich glauben! Ich bin sooo froh und natürlich auch stolz auf mich, denn ich hab trotz teilweise gar nicht mehr vorhandener Motivation nicht aufgegeben und mir drei Jahre lang (hier würde ich jetzt eigentlich gerne eine Redewendung, bei der man sich ein Körperteil aufreisst, verwenden, aber das A-Wort passt nicht so wirklich hierhin ;) ) extrem Mühe gegeben.
Wäre ich ein Computer, so würde jetzt der "Chillen"-Modus installiert und die "Man reiche mir den Champagner"-Anwendung geöffnet werden. Wegen nicht vorhandenem Champagner habe ich mit einem Eis vor dem TV "gefeiert", neben mir mein Handy, das nonstop vibriert hat. Und das ganze Haus inklusive meine Nachbarn wurden mit "Happy" von Pharrell Williams beschallt. Ich bin ja kein grosser Fan von dem Song, aber jetzt passt er doch ganz gut! :)